5 Tipps, wie du als Au Pair Krisen meisterst

5 Tipps, wie du als Au Pair Krisen meisterst

Ein Au Pair erzählt, wie man mit Herausforderungen umgeht.

Ich heisse Melanie, komme aus Mexiko und bin ehemaliges Au Pair von Cultural Care. Da die Zahl der COVID-19 Fälle steigt und immer mehr Menschen weltweit unter Quarantäne stehen, wollte ich gern ein paar Gedanken mit euch teilen, wie es ist, in einem fremden Land zu sein, während deine Heimat gerade harte Zeiten durchlebt – denn ich war genau in derselben Situation.

 

Während meiner Zeit in den USA gab es in meiner wunderschönen Heimat Mexiko zwei schwere Erdbeben, die viele Menschenleben forderten und ganze Städte zerstörten. Ich war gerade in meinem ersten Jahr als Au Pair und ich glaube nicht, dass ich jemals etwas Schrecklicheres erlebt habe. Der erste Tag nach dieser Katastrophe war voller Stress und Unsicherheit. Ich war sehr besorgt und wusste, dass meine Familie, mich zu Hause haben wollte. Und ein Teil von mir war auch bereit dafür. Ich wollte einfach nur vor Ort sein und beim Wiederaufbau von Mexico City helfen. Aber wie?

 

Auf der Suche nach ein paar tröstenden Worten und einer Umarmung sprach ich mit meiner LCC. Sie hörte mir zu und sagte dann, dass es meine Entscheidung sei, ob ich gehe oder bleibe, aber wenn ich bleibe, sollte ich mir überlegen, wie ich mich weiterhin mit meinen Freunden und meiner Familie daheim verbunden fühlen kann. Obwohl ich Angst hatte, wurde mir langsam klar, dass ich von den USA aus einen grösseren Unterschied machen konnte, indem ich einen Weg finde, wie ich meiner Heimat aus der Ferne helfen kann.

 

So beschloss ich, in den USA eine Spendenaktion für Mexiko ins Leben zu rufen. Ich nutzte meine Kreativität, um Gelder zu sammeln und konnte gleichzeitig ausdrücken, was ich fühlte – das sorgte dafür, dass es mir besser ging. Das war kein leichter Prozess und es brauchte viel Mut und Unterstützung von den Menschen in meiner Umgebung – aber zu wissen, dass ich etwas Sinnvolles tat und gleichzeitig mein Versprechen hielt und in den USA blieb, half mir enorm, mit der Situation umzugehen. Das Gefühl, meinen Gastkindern zu zeigen, was Leidenschaft, Kompromisse und Stärke bedeuten, war unglaublich erfüllend.

 

5 Tipps, wie du als Au Pair Krisen meisterst

Einige Monate später musste ich mich einer weiteren Herausforderung stellen. Es war Sonntag, als ich mit starken Bauchschmerzen aufwachte. Eine meiner Freundinnen brachte mich in die Notaufnahme. Noch in derselben Nacht musste mir mein Blinddarm entfernt werden. Es gibt nichts Schlimmeres, als in so einer Situation nicht seine Mutter bei sich zu haben. Kurz vor der OP rief ich meinen Gastvater an und weinte ins Telefon. Es war mitten in der Nacht. Er sagte: „Wenn du aufwachst, werden wir da sein.“ Ich verbrachte eine Nacht im Krankenhaus, eine weitere Woche zu Hause im Bett, durfte einen Monat nicht Autofahren und musste mich schonen.

 

Nach all dem war ich sicher, dass ich an meine Grenze gekommen war. Ich war frustriert und traurig. Aber etwas in mir sagte mir immer und immer wieder, dass all diese Herausforderungen nur dazu da sind, um mich zu einem besseren Menschen zu machen. Dass all die Angst, die ich fühlte, eines Tages zu meiner grössten Stärke werden würde. Und so war es dann auch.

 

Im Oktober 2018 beendete ich meine zwei Jahre als Au Pair in den USA. Und wenn ich darauf zurückblicke – auf all meine neuen Freunde aus aller Welt, wie ich jetzt perfekt Englisch spreche und dass ich die Möglichkeit hatte, Kunstkurse an der angesehenen Tufts University zu besuchen – dann scheinen all die Herausforderungen, denen ich mich stellen musste, auf einmal nur noch ein winziger Teil meiner ganzen Erfahrung zu sein. Als ich das alles durchmachen musste, war ich wirklich sehr froh, die nötige Unterstützung zu erhalten und somit auch den Mut, einfach weiterzumachen. Ich bereue meine Entscheidung überhaupt nicht und sehe erst jetzt, zu welch selbstbewusster Frau ich durch meine Zeit als Au Pair wurde.

 

Wenn auch du eine schwierige Zeit durchmachst – sei es wegen des Coronavirus oder aus anderen Gründen – dann sind hier ein paar Tipps, die mir damals sehr geholfen haben.

 

1. Atme tief durch! Nimm dir wirklich Zeit dafür.

Wenn du durch schwierige Zeiten gehst, nimm dir die Zeit, durchzuatmen und zu reflektieren. Es passiert schnell, dass wir irrationale Entscheidungen treffen, wenn wir Ängste und Sorgen haben. Wenn aber eine Situation nicht in unserer Kontrolle liegt, dann sollten wir darüber nachdenken, welche Auswirkung unsere Entscheidung haben wird. Denk an die langfristigen Folgen deiner Entscheidung und wen sie betreffen wird.

 

Obwohl es für mich die richtige Entscheidung war zu bleiben, gibt es hier kein Richtig oder Falsch, solange du deinem Herzen folgst und wirklich lange darüber nachdenkst, anstatt nur aus dem Bauch heraus zu entscheiden.

5 Tipps, wie du als Au Pair Krisen meisterst

2. Erinnere dich, wieso du hier bist

Wir alle haben unterschiedliche Gründe, wieso wir Au Pair werden – einige suchen ein Abenteuer, andere möchten ihr Englisch verbessern und manche finden einfach Gefallen an der Idee, in einem anderen Land zu leben. Wir alle hatten Ziele und Träume, die uns dazu brachten, unsere Sachen zu packen und in die USA zu kommen. Erinnere dich immer daran! Erstelle eine Liste mit all den wundervollen Dingen, die dich überzeugt haben, hierherzukommen und sei ruhig auch stolz darauf. Niemand hat gesagt, es würde leicht werden, aber einfach mal den ersten Schritt zu machen ist bewundernswert – und deine gesamte Community unterstützt dich bei der Erreichung deiner Ziele. Wir sind für dich da!

 

3. Denk daran, dass die Dinge auch wieder besser werden

Nach den beiden Erdbeben in meinem Heimatland überschlugen sich die Ereignisse erst mal. Aber irgendwann kehrte das Leben zu einer neuen Art von Normalität zurück und ich kann heute voller Stolz sagen, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe. Ich konnte etwas Gutes tun, während ich meinen Gastkindern zeigte, dass man verletzt und stark zugleich sein kann. Ich finde es wichtig zu sagen, dass ich meine Emotionen und meinen Schmerz nie verborgen habe. Aber ich liess auch nicht zu, dass meine Gefühle die Kontrolle über meine Zukunft übernahmen. Halte an deiner Leidenschaft, deinen Hobbies und an allem anderen fest, das dich von diesem Gefühl der Hilflosigkeit ablenken kann. Früher oder später wird sich die Situation bessern und ich kann dir versprechen, dass du dich unglaublich gut fühlen wirst, wenn du es geschafft hast!

 

4. Sprich darüber

Nur wenige Tage nach meiner Ankunft in den USA hatte ich Geburtstag. Mir war klar, dass ich in eine ganz andere Kultur kommen werde, aber bis zu diesem Tag wusste ich nicht so genau, was das eigentlich bedeutet. In meiner Kultur legen wir grossen Wert auf Umarmungen und an meinem Geburtstag kam ich genau mit dieser Erwartung nach unten. Es passierte aber nicht. Meine Gastfamilie wünschte mir natürlich alles Gute zum Geburtstag, aber irgendetwas fehlte… ganz genau: eine Umarmung! Ich war sehr enttäuscht. Ein paar Häuser weiter lebte ein Au Pair aus Kolumbien und so machte ich mich auf die Suche nach ihr und fragte sie nach einer Umarmung. Ich wusste, sie würde mich verstehen. Seit diesem Tag waren wir unzertrennlich. Was ich damit sagen will: Behalte deine Gefühle nicht für dich. Ich kann dir versprechen, dass viele Menschen genau wie du empfinden. Das ist völlig normal. du hast nichts falsch gemacht, wenn du dich so fühlst! Nimm Kontakt zu anderen Au Pairs auf – z.B. über soziale Medien oder Textnachrichten. Sprich auch mit deiner Familie zu Hause. Ruf deinen LCC an. Bleib mit allen in Kontakt.

 

5. Das Wichtigste: Gib gut auf dich Acht!

In dieser Krise half es mir sehr, mich auf die Dinge zu konzentrieren, die ich selbst kontrollieren konnte – zum Beispiel, wie ich mich ernähre, ob ich Sport mache und was ich generell für Körper, Geist und Seele tun kann. Schwierige Situationen werden noch schlimmer, wenn du vergisst, dich um dich selbst zu kümmern. Ich weiss wie es ist, sich verletzlich zu fühlen und zu glauben, dass auf einmal die ganze Welt gegen dich ist. Aber als ich über diese Gefühle sprach, bemerkte ich, dass es tatsächlich Dinge gibt, die ich für mich selbst tun konnte, um die Situation leichter zu machen.

5 Tipps, wie du als Au Pair Krisen meisterst

Durch meine Zeichnungen war ich beschäftigt und ich bin sicher, dass auch du etwas findest, das dir das Gefühl von Kontrolle zurückgibt – Du könntest ein 20-minütiges Stretching in deinem Zimmer machen oder eine selbstgemachte Gesichtsmaske, deine Liebsten anrufen oder eine neue Frisur ausprobieren (ich färbte mir selbst die Haare mit Bleiche aus dem Drogeriemarkt – keine gute Idee, bitte nicht nachmachen!). Höre auf deinen Körper, sei dankbar dafür und vergiss nicht, gut auf ihn Acht zu geben. Je besser du auf dich aufpasst, desto eher wirst du auf das vorbereitet sein, was kommt. Du verdienst es, dass man sich gut um dich kümmert – und wer könnte das besser als du selbst?

    A line drawing of a gumball machine

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